Ratgeber Gehen

Bewegung fördern & aktive Teilhabe für Reha-Kinder

Gehen ist die grundlegende Form menschlicher Fortbewegung und unsere allerwichtigste Bewegung. Wenn die Fähigkeit zum Gehen eingeschränkt ist, verändert sich unser ganzes Leben.Das Erlernen des Gehens ist ein beeindruckender Prozess, erkennbar an der Dauer, die ein Kind dafür braucht. Es wird dafür nicht nur Kraft, Ausdauer und Gelenkigkeit benötigt, sondern auch Koordination, Gleichgewichtssinn und Verarbeitung aller Sinneseindrücke.

Kinder, die aufgrund einer Behinderung nicht ohne Hilfe gehen können oder deren motorische Entwicklung verzögert ist, brauchen daher unsere bestmögliche Unterstützung. Die intensive therapeutische Anleitung und passende Hilfsmittel ermöglichen diesen Kindern das Erfolgserlebnis, selbst Gehen zu können. Was für ein großartiger Gewinn an Lebensqualität und Teilhabe für Kinder und ihre Familien.

Meilensteine der kindlichen Entwicklung

Auf dem Weg zum Kriechen, Sitzen, Aufstehen und schließlich Gehen entwickeln sich Kinder ganz unterschiedlich. Doch so groß die zeitlichen Unterschiede auch sein können, es gibt einige Meilensteine, die eine Orientierung bei der kindlichen Entwicklung bieten.

3 bis 4 Monate

Das Baby kann in Bauchlage seinen Kopf sicher anheben und frei halten. Dazu stützt es sich auf die Unterarme und kontrolliert diese Bewegung.

3 bis 7 Monate

Beginn der eigenständigen Drehung zu beiden Seiten und Überrollen in die Bauchlage und wieder zurück auf den Rücken.

7 bis 10 Monate

Das Baby startet mit dem Krabbeln – also der eigenständigen Fortbewegung auf allen Vieren. Dabei hat es sein ganz individuelles Bewegungsmuster.

9 bis 10 Monate

Sicheres, freies Sitzen mit geradem Rücken und guter Kopfkontrolle, beide Hände sind frei zum Spielen.

9 bis 15 Monate

Kind zieht sich an Stühlen, Tischen oder Regalen in den sicheren Stand. Dann lernt es an Möbeln und Wänden die ersten eigenen Schritte entlangzugehen.

9 bis 18 Monate

Das Kind lernt freies Gehen, benötigt aber noch Halt durch die Hände der Eltern oder Möbel und Wände.

18 Monate

Freies Gehen ist jetzt mög lich. Auf dem Spielplatz, auf der Wiese, auf Feld- und Waldwegen probiert das Kind seine Fähigkeiten nun aus.

2 bis 3 Jahre

Das Kind weiß immer sicherer mit seinem Körper umzugehen. Es kann schon rennen und hüpfen und lernt Treppenstufen zu steigen.

2,5 bis 3 Jahre

Fahrspielzeuge sind sehr beliebt. Das Kind lernt Dreirad oder Laufrad fahren. Auch das Rennen über kürzere Strecken ist möglich.

4 bis 6 Jahre

Kinder sind in diesem Alter meist so weit, dass sie komplexe Bewegungsabläufe bewältigen. Sie möchten und können Fahrradfahren auf zwei Rädern lernen.

Wichtig zu wissen

Bei manchen Kindern ist die motorische Entwicklung auf- grund einer Erkrankung, Behinderung oder Frühgeburt beeinträchtigt oder deutlich verlangsamt. Sie brauchen fachliche Unterstützung in ihrer Bewegungsentwicklung.

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Mit Gehtrainern lernen Kinder in natürlichen Bewegungsabläufen das Gehen und werden darin unterstützt. Welcher Geh- und Lauftrainer unterstützt Ihr Kind in der Entwicklung und passt in den Alltag Ihres Kindes?


Probleme bei der Bewegungsentwicklung erkennen

Die Entwicklung einer gesunden Bewegungsfähigkeit bei Kindern hat große Bedeutung für die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung sowie die Körperwahrnehmung. Eine Störung der Bewegungsentwicklung wird leider nicht immer sofort erkannt.

Durch Erkrankung oder Behinderung kann die Bewegungsentwicklung von Kindern deutlich verzögert und beeinträchtigt sein. Manchmal wird eine Behinderung auch erst durch eine auffällige und langsame motorische Entwicklung erkannt und diagnostiziert.

Bei ca. 10% der Kinder gehen Kinderärzte davon aus, dass diese Kinder ihre Meilensteine der motorischen Entwicklung nicht im üblichen Zeitrahmen erreichen. Eine Entwicklungsverzögerung liegt vor. Frühförderung und weitere therapeutische Maßnahmen unterstützen Kinder beim Erlernen der fehlenden Bewegungsabläufe. Spätfolgen werden so gezielt verhindert oder verringert.

Bei etwa einem Drittel der Kinder mit Entwicklungsproblemen liegt eine feststellbare Krankheit vor oder die Entwicklung verläuft ohne konkrete Diagnose so problematisch, dass eine bleibende Behinderung entsteht. Bei diesen Kindern liegt keine Verzögerung, sondern eine Entwicklungsstörung vor, die sich u.a. in einer bleibenden Gangstörung zeigt.

In Deutschland leben etwa 100.000 Kinder und Jugendliche mit einer schweren Gangstörung. Diese meist angeborene Bewegungsbehinderung begleitet die Kinder ein Leben lang. Sie sollte früh und dauerhaft behandelt werden, um vorhandene Bewegungspotentiale zu trainieren und zu erhalten.

Eine gestörte motorische Entwicklung erkennt man deutlich an „verpassten“ Meilensteinen und damit an einem zu lang samen Entwicklungstempo.

Was ist eine Gangstörung?

Ist der menschliche Bewegungsapparat gestört, entstehen Auffälligkeiten im Gangbild. Es zeigen sich z.B. Gangunsicherheit, Hinken, Stolpern, Muskelschwäche (schlaffe Muskulatur) oder Spastik (krampfartig erhöhte Muskelspannung), Dystonie (überschießende Bewegungen) oder verdrehte Beinstellungen. Diese gestörten Bewegungsmuster haben neurologische, muskuläre oder knöcherne Ursachen. Treten mehrere Formen von Gangstörungen gleichzeitig auf, liegt eine komplexe Gangstörung vor.

Diese Warnzeichen sollten Eltern beachten:

Schwache Muskelspannung

Auch Muskeltonus genannt, ist in einer oder mehreren Körperregionen, das Kind ist „schlaff“ und hat Schwierigkeiten, sich aufrecht zu halten.

Seitenunterschiede

Deutliche in der Körperhaltung und Bewegung, das Kind kann sich nicht auf die eigene Körpermitte zentrieren.

Ungewöhnlich hoher Muskeltonus

Das Kind ist „steif“ und kann die Muskelverkrampfungen nicht kontrollieren.

Gleichgewichtskontrolle

Probleme bei der Gleichgewichtskontrolle, das Kind stürzt häufig und lässt Gegenstände fallen.

Bewegungsmuster

Bewegungsmuster und frühkindliche Reflexe aus den ersten Lebensmonaten werden beibehalten, z.B. der Greifreflex, wenn die Handinnenseite berührt wird.

Motorische Unruhe

Das Kind zeigt unkontrolliertes, überaktives Verhalten, geprägt von allgemeiner Unruhe und Unaufmerksamkeit.

Bewegung gezielt und erfolgreich fördern

Auch Kinder mit Bewegungsstörungen sollen die Möglichkeit haben, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. Dabei unterstützen eine professionelle medizinisch-therapeutische Betreuung und die Versorgung mit den passenden Hilfsmitteln.

Je nach Art und Ausprägung der Bewegungsstörung gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Gezielte Physiotherapie stärkt die Muskulatur und trainiert Bewegungsabläufe. Medikamente helfen, den Muskeltonus zu verbessern und Verkrampfungen zu mindern. Bei orthopädischen Problemen wirken Orthesen, also Schienen; in einigen Fällen werden Fehlstellungen durch eine Operation korrigiert. Zur Fortbewegung im Alltag nutzen Kinder Gehhilfen, mit denen das eigenständige Gehen erlernt und trainiert werden kann.

Ziele des Steh- und Gehtrainings

Mobil sein bedeutet Lernen durch Bewegung und spielt bei der Behandlung von körperbehinderten Kindern eine zentrale Rolle. Selbst aktiv sein zu können, die eigene Bewegung zu spüren – das fördert maßgeblich die senso-motorische und psycho-soziale Entwicklung.

Senso-motorische Ziele:

(Funktionseinheit von Wahrnehmung und Bewegung)
  • Erhalt und Training der Muskelkraft
  • Regulierung der Muskelspannung
  • Reduzierung von Gelenk- und Muskelkontrakturen
  • Verbesserung der Lungenfunktion
  • Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems
  • Anregung von Stoffwechsel und geregelter Verdauung
  • Förderung von Knochenwachstum und Knochendichte
  • Optimierung von Bewegungsabläufen
  • Entwicklung des natürlichen (physiologischen) Gangbilds
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung und Lage im Raum
  • Erhalt und Förderung kognitiver Funktionen wie Aufmerk samkeit, Konzentration, Orientierung

Psycho-soziale Ziele:

  • Interaktion mit dem sozialen Umfeld auf Augenhöhe
  • aufrechte Position als leichtere Kontaktaufnahme zu anderen Menschen erfahren
  • eigenständige, selbstbestimmte Erkundung der Umwelt
  • Freude an Bewegung erleben
  • Teilhabe an alltäglichen Aktivitäten ermöglichen
  • Stärkung des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls
  • neue Erfahrungen sammeln

Einsatz von Hilfsmitteln zum Gehtraining

Um einen Gehtrainer zu nutzen, sollten Kind und Gehtrainer bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um dem Kind ein sicheres und erfolgreiches Mobilitätserlebnis zu bieten.

Kind
Muskelkraft und Koordination vorhanden, um wechselseitig belastende Schritte zu erlernen und zu trainieren – kognitive Fähigkeit, den Gehtrainer zu lenken und auf ein bestimmtes Ziel hin zu bewegen – Motivation zur Nutzung eines Gehtrainers

Gehtrainer
passend zum jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes – individuell einstellbar und mitwachsend – sicherer Halt für das Kind | so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig – dem Kind ausreichend Freiraum geben, um Bewegungspo tentiale ausschöpfen zu können – Miteinander (Teilhabe) im Alltag ermöglichen und fördern


Welche Maße sind entscheidend – und warum?

Neben den beschriebenen Fähigkeiten, die Kinder und Jugendliche für die Nutzung eines Gehtrainers haben müssen, sind auch folgende Körpermaße und -daten wichtig für die Auswahl des passenden Hilfsmittels. Das Wachstum Ihres Kindes sollten Sie dabei immer im Auge haben und den Gehtrainer entsprechend anpassen (lassen) oder zur nächsten Größe wechseln.

Schrittlänge

Viele Gehtrainer sind mit einem Sattel oder einer anderen Sitzmöglichkeit ausgestattet. So kann sich das Kind für kleine Pausen hinsetzen, wenn das Gehtraining zu anstrengend geworden ist. Ein Sattel gibt zusätzlich Sicherheit, bei Erschöp- fung oder Stolpern nicht gleich ins Leere zu fallen.

Damit die Sattelhöhe gut passt und beim Gehtraining nicht stört, ist die Schritt- bzw. Innenbeinlänge des Kindes wichtig. Gemessen wird auf der Beininnenseite vom Schritt bis zur Fußsohle. Das Kind kann beim Messen entweder stehen oder liegen, mit soweit wie möglich durchgesteckten Beinen. Oder es wird im Sitzen gemessen an der Beininnenseite vom Schritt bis zum Knie und weiter vom Knie bis zur Fußsohle.

Wenn das Kind Orthesen- oder Stabilschuhe beim Lauftraining trägt, sollte die Höhe der Schuhsohlen mitberücksichtigt werden.

Brustkorb- / Thoraxumfang

Wenn Kinder beim Gehtraining viel Unterstützung im Ober- körper benötigen, sorgen Stützringe oder Pelotten für den nötigen Halt und eine aufrechte Körperhaltung. Damit diese das Kind weder einengen noch zu viel Spielraum und damit Instabilität bieten, muss der Thoraxumfang ermittelt werden.

Messen Sie ca. eine Hand- breit unter den Achseln den Umfang des Brustkorbs. Je nach Oberkörperstabilität des Kindes muss die Stütze eng anliegen oder kann et- was weiter sein.

Auf jeden Fall sollte sie dem Kind im Gehtrainer genügend Bewegungsfreiheit für das Training lassen.

Körpergewicht

Wie Reha-Kinderwagen oder Kinderautositze sind auch Mobilitätshilfen nur bis zu einem bestimmten Nutzergewicht belastbar. Für diese Maximalbelastung ist die Konstruktion getestet und zugelassen.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu schwer für den Gehtrainer ist und wählen Sie gegebenenfalls die nächste Größe. Bei einer Überbelastung können Verbindungselemente brechen und Ihr Kind kann mit dem Gehtrainer stürzen. Auch besteht Kippgefahr, wenn besonders bei aktiven Kindern die maximale Belastung überschritten wird.

Viele Gehtrainer haben eine integrierte Federung, die die Gehbewegungen des Kindes unterstützt und Erschütterungen abfedert. Achten Sie auch hier darauf, dass Kinder- und Federgewicht zusammenpassen. Ist das Kind zu leicht, wirkt die Federung nicht und kann nicht unterstützen. Ist das Kind schon zu schwer, wirkt die Federung ebenfalls nicht optimal.

Holen Sie sich beim „Ausmessen“ Ihres Kindes immer Beratung von Therapeuten oder Reha-Fachberatern. Dann passt der neue Gehtrainer von Beginn an.


Wohin es geht,
bestimme ich jetzt selbst!

Laufen als Erfolgserlebnis ist für die Entwicklung aller Kindern wichtig. Denn eine intrinsische (innere) Motivation treibt Kinder an, sich eigenständig fortzubewegen – ob nun mit oder ohne ein Hilfsmittel. Das Umfeld des Kindes kann dabei weiter unterstützen.

Was motiviert Kinder zum Laufen?

Neben dem inneren (intrinsischen) Anreiz motivieren weitere äußere (extrinsische) Einflüsse das Kind zum Laufen.

  • Selbstbestimmt von einem Ort zum anderen kommen
  • Freude durch eigenständige Bewegung spüren
  • Selbstständig neue Dinge entdecken
  • Anderen Kindern auf Augenhöhe begegnen und Gemein- schaft erleben
  • Sich neuen Herausforderungen stellen

Unterstützung

Eltern begleiten das Kind auf dem Weg zum eigenständigen Laufen mit einer Gehhilfe. Wie bei allen Kindern können sie den Lernprozess mit folgenden Tipps unterstützen:

  • Umgebung sicher gestalten, damit das Kind sich mit der Gehhilfe frei und ohne Hindernisse bewegen kann
  • Richtige Anpassung und Einstellung der Gehhilfe beachten
  • Kleine „Zwischenstopps“ für Erfolgserlebnisse einrichten
  • Für genügend Pausen und Erholung sorgen, um Kräfte für das anstrengende Gehtraining zu sammeln
  • Auch kleine Fortschritte und Erfolge feiern und dem Kind Selbstvertrauen geben
  • Körperliche, motorische und kognitive Besonderheiten be- rücksichtigen
  • Tipps und Übungen aus den Therapiestunden wieder- holen und trainieren
  • Und nicht zuletzt: Geduld haben und nicht nachlassen in der so wichtigen Unterstützung für das Kind
Michael Krause – rehaKIND Fachberater

Impulse nach vorne

„Kinder mit starker Tendenz zum Rückwärtslaufen brauchen Impulse nach vorne für eine vorgeneigte Körperhaltung. Ein Gehtrainer, der durch seine besondere Konstruktion eine nach vorne gerichtete Körperhaltung fördert oder Impulse für die Vorwärtsbewegung liefert, hilft Kindern beim Vorwärtslaufen.“


Was bedeutet Anterior-Walker und Posterior-Walker?

Immer wieder ist bei der Versorgung mit Mobilitätshilfen von Anterior- und Posterior-Walkern die Rede. Die Begriffe „anterior“ und „posterior“ kommen aus der lateinischen Sprache, die in der Medizin vielfach angewendet wird, um etwas zu benennen.

Anterior-Walker

Der Begriff „Anterior“ ist u.a. ist eine anatomische Lage bezeichnung und bedeutet „weiter vorne gelegen“. (lateinisch: anterior, anterius – der vordere)

Ein Anterior-Walker ist eine Gehhilfe, die sich VOR dem Kind befindet. Das Kind schiebt seinen Walker vor sich her. Der Senioren-Rollator z.B. ist auch eine Anterior-Gehhilfe, die für viele ältere Menschen den Alltag erleichtert und sicherer macht.

Die Vorteile

Gehhilfe für Kind sichtbar
Da das Kind seinen Walker (Gehhilfe) vor sich sehen kann, fällt die Orientierung leichter. Das Kind kann besser einschätzen, wie viel Platz es mit seinemWalker benötigt. Auch der Transfer in die Gehhilfe wird durch den offenen Zugang nach hinten erleichtert, ohne umständliches Umdrehen.

Brems-System
Meist sind Anterior-Walker mit feststellbaren Handbremsen ausgestattet, die dem Kind das eigenständige Bremsen ermöglichen. Es kann den Walker selbst besser kontrollieren.

mehr Sicherheit
Die Gehhilfe vor sich zu haben, vermittelt dem Kind mehr Sicherheit, da es keine „Leere“ vor sich hat. Das hilft gerade unsicheren Kinder, die etwas mehr Unterstützung benötigen.

Der Anterior-Walker ist gut für kurzzeitige Einsätze geeignet, um schnell Distanzen selbst zu bewältigen z.B. zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule. Durch eine stärkere Beugung von Hüfte und Oberkörper laufen Kinder in diesem Walker aber oft sehr weit nach vorne geneigt. Hier sollte beim Lauftraining von der Betreuungsperson korrigierend unterstützt werden.


Posterior-Walker

„Posterior“ ist auch eine anatomische Lagebezeichnung und bedeutet „weiter hinten gelegen“ bzw. „hinterer“. (lateinisch: posterior, posterius – der hintere, folgende)

Den Posterior-Walker zieht das Kind beim Fortbewegen hinter sich her. Die Gehhilfe befin det sich also HINTER dem Kind.

Die Vorteile

Bewegungsfreiheit
Durch den nach vorne offenen Raum hat das Kind vollen Zugriff auf sein Umfeld vor sich (Personen, Türen, Tische, Spielzeug etc.) Interaktionen und Teilhabe werden aktiv gefördert.

bessere Körperhaltung
Beim Gehen im Posterior-Walker ist eine bessere, aufrechte Körperhaltung möglich. Die Schultern des Kindes werden eher nach hinten geführt, die sorgt automatisch für einen aufrechteren Gang.

schnelleres Gehen
Mit einem Posterior-Walker kann das Kind eine gute Ganggeschwindigkeit erreichen und kommt schneller voran. Ein schönes und motivierendes Erfolgserlebnis, mit anderen Schritt halten zu können.

Der Posterior-Walker vermittelt Kindern durch den offenen Raum nach vorne ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung – kein Rohr oder Handbogen schränkt die Sicht ein. Durch die Unterstützung einer guten Körperhaltung ist er eine langfristige Lösung für Kinder mit chronischen neurologischen Erkrankungen wie spastischer Diplegie bei einer Cerebral Parese.

Der neue Kinderreha-Podcast

Ein besonderes Kind

Der neue Kinderreha-Podcast EIN BESONDERES KIND möchte Eltern von behinderten Kindern an die Hand nehmen und unterstützen.

Jetzt reinhören – jeden Samstag eine neue Folge!


Fallbeispiel – Mille

Eine neue Gehhilfe gibt MILLE ein großes Stück Selbständigkeit und jede Menge Motivation für ihr Gehtraining und für die Verbesserung ihrer Fähigkeiten.

Ein neues Ziel

Die 15-jährige Mille lebt mit der Diagnose Rett-Syndrom. Mille kann mit Unterstützung eines VELA Meywalk 2000 laufen und sie ist glücklich mit ihrem Gehtrainer. Er gibt ihr die Freiheit selbst zu entscheiden, in welche Richtung sie sich bewegen möchte – ohne dass Mille von ihren Eltern oder Betreuern geführt werden muss, die vielleicht in eine andere Richtung gehen wollen.

Seitdem Mille mit der Gehhilfe trainiert, kann sie erheblich längere Gehstrecken bewältigen. Dadurch ist auch ihrWunsch immer stärker geworden, noch weitere Strecken selbst zu gehen. Auch ihre Kraft und Ausdauer haben sich deutlich verbessert – und wenn sie sich doch einmal ausruhen muss, kann sie sich auf den Sitz setzen. Ziel des Trainings ist für Mille, dass sie selbst zur Arbeit ihres Vaters laufen kann, bevor sie 16 Jahre alt wird – eine Strecke von 4,6 km.


"Jetzt müssen wir nicht mehr vor jedem Spaziergang überlegen, wie viel Energie Mille noch hat – und ob wir sie nach Hause tragen müssen, wenn sie müde wird.

Wenn wir unterwegs sind, hat Mille beide Hände frei. Das gibt ihr die Möglichkeit, z.B. die Katze zum Streicheln hochzunehmen, Blumen zu pflücken oder für den Hund ein Stöckchen zu werfen – und Mille lacht, wenn er losstürmt, um das Stöckchen zu holen. Mille ist glücklich, was uns wiederum Energie für den Alltag mit ihr gibt.

Und wir können uns auf Augenhöhe ansehen, wenn wir reden oder singen. Das macht uns große Freude."

– Mutter von Mille


Zubehör für Gehtrainer

Ist ein für Körpergröße und Gewicht passender Gehtrainer ausgewählt, erfolgt mit Zubehör die weitere Anpassung auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Kindes. Je nach therapeutischer Zielsetzung unterstützt geeignetes Zubehör das Lauftraining von Beginn an – von den ersten unsicheren Schritten bis hin zum erfolgreichen Laufen von längeren Strecken.

Oberkörperunterstütze

Ein guter Halt im Oberkörper- und Beckenbereich ist Voraussetzung für erfolgreiches Lauftraining. Fehlt dem Kind die nötige Stabilität, muss der Gehtrainer hier Halt und Unterstützung bieten, damit sich das Kind besser auf das Laufen fokussieren kann. Zubehörteile, wie z.B. Thoraxringe, Thoraxpelotten, Hüftpelotten, Bauchkissen oder Gurte halten und stabilisieren das Kind im Oberkörper und lassen dabei den Beinen und Füßen volle Bewegungsfreiheit.

Lenkstopp

Gerade zu Beginn des Lauftrainings fehlt Kindern noch die Übung, den Gehtrainer zu lenken. Sich neben dem Laufen auch noch auf das Manövrieren zu konzentrieren, fällt schwer. Ein aktivierter Lenkstopp lässt die Räder nur in eine Richtung rollen, das gibt dem Gehtrainer Stabilität und das Kind wird nicht durch „schwammiges“ Fahrverhalten verunsichert. Mit zunehmender Übung bekommt das Kind mehr Sicherheit, nun kann der Lenkstopp deaktiviert werden, um auch das Lenken mit voller 360°-Drehung zu trainieren.

Rücklaufsperre

Manche Kinder haben Schwierigkeiten, in eine Vorwärtsbewegung zu kom- men. Ihr Körperschwerpunkt ist durch die gesamte Körperhaltung eher nach hinten verlagert, daher neigen sie im Gehtrainer dazu, nur nach hinten – also rückwärts – zu laufen. Eine Rücklaufsperre verhindert, dass der Gehtrainer zurückrollen kann. Es geht also nur vorwärts, oder gar nicht voran. Eine Rücklaufsperre sollte IMMER mit einem KIPPSCHUTZ kombiniert werden.

Kippschutz

Die Kippsicherheit eines Gehtrainers ist besonders für sehr aktive größere Kinder und Jugendliche wichtig. Sie sollen ihr Bewegungspotential bei größtmöglicher Sicherheit ausschöpfen können. Daher werden an den Hinterrädern des Gehtrainers kleine „Stützräder“ mit einigen cm Abstand zum Boden montiert. Viele kennen diese „Sicherheitsräder“ von Rollstühlen. In beiden Fällen wird mit dem Kippschutz ein Umkippen nach hinten verhindert.

Schleifbremse

Kinder mit viel Bewegungsdrang und überschießenden Bewegungen laufen im Gehtrainer häufig sehr schnell los. Durch so einem Blitzstart fällt es den Kindern schwer, die Kontrolle über den Gehtrainer zu behalten. Eine Schleifbremse macht den Gehtrainer schwergängiger, da die Räder permanent leicht abgebremst werden. Das Fortbewegen wird so zwar etwas anstrengender, unterstützt das Kind aber beim kontrollierten, zielgerichteten Laufen. Die Stärke der Bremswirkung kann individuell an das Kind angepasst und auch verändert werden.

Sitz-Brems-System

Gehtraining ist eine enorme geistige und körperliche Anstrengung für das Kind. Zum Ausruhen und für mehr Sicherheit haben viele Gehtrainer einen Sattel, auf den sich das Kind setzen kann. Das verleitet aber auch dazu, dass das Kind sich bequem im Sitzen mit den Füßen vorwärtsbewegt, statt selbstständig zu Laufen. Das wird bei Gehtrainern mit einem Sitz-Brems-System unterbunden. Setzt sich das Kind auf den Sattel, kann es sich ausruhe - gleichzeitig wird aber durch das Gewicht auf dem Sattel eine Bremse aktiviert. Nur wenn das Kind wieder aufsteht, geht es weiter.

Beintrennplatte

Wenn Kinder beim Lauftraining die Beine kreuzen, stehen sie sich sozusagen ständig selbst im Weg. Ursache ist häufig eine Rotationsfehlstellung der Beine oder Füße nach innen. Eine Beintrennplatte unterhalb des Sitzes verhindert das Überkreuzen der Beine und hilft dem Kind bei der Fortbewegung im Gehtrainer.

Beinschienen

Kinder mit einer Rotationsfehlstellung von Beinen oder Füßen nach außen stoßen immer wieder an den Außenrahmen und die Räder ihrer Gehhilfe. Oder ihre Füße klemmen unter dem Rahmen ein, sodass sie ins Stolpern kommen. Beinschienen in Bodennähe an der rechten und linken Seite des Gehtrainers können das verhindern und führen die Beine und Füße des Kindes sicher nach vorne.

Wandabweiser

Wird der Gehtrainer im Innenbereich genutzt, müssen Kinder durch geschicktes Lenken die Fahrtrichtung halten und von einem Raum in den nächsten wechseln können. Das klappt nicht immer reibungslos und die Kinder stoßen mit ihrem Gehtrainer an Wände und Türrahmen. Durch „Pufferrollen“ bzw. Wandabweiser oberhalb der Räder wird der Aufprall des Gehtrainers abgefedert und umgelenkt. Die Kinder bleiben nicht an der Wand hängen und finden leichter ihren Weg – und Wände und Türen werden ebenfalls geschont.

Michael Krause – rehaKIND Fachberater

Starre oder schwenkbare Räder?

„Bei Kindern mit Ataxien, deren Bewegungskoordination durch unkontrollierte und überschüssige Bewegungen stark beeinträchtigt ist, sollten der Gehtrainer starre Räder haben bzw. der Lenkstopp bei Schwenkrädern genutzt werden. So können Kinder mit ihrem Gehtrainer besser geradeaus laufen.“


Statuserhebung – Welche Hilfsmittel benötigt mein Kind?

Ein Bedarfsermittlungsbogen erleichtert Eltern, Betreuern und Versorgern die eindeutige Beschreibung und Dokumentation einer Hilfsmittelversorgung.

An einer Hilfsmittel-Versorgung und -Nutzung sind viele Akteure beteiligt. Um für die Entwicklung und Teilhabe des Kindes das bestmögliche Hilfsmittel für das jeweilige Umfeld zu finden, empfiehlt sich eine eindeutige Dokumentation und Beschreibung des Bedarfs.

Es werden z.B. folgende Informationen zusammengetragen:

  • allgemeine Informationen zum Kind
  • begleitende therapeutische Maßnahmen
  • Einteilung des Behinderungsgrades (z.B. nach GMFCS)
  • Körperfunktionen (physisch und psychisch)
  • Aktivitäten und Teilhabe

Die Klassifizierung der motorischen Beeinträchtigungen von Kindern mit Cerebralparese erfolgt in Anlehnung an das Gross Motor Function Classification System (kurz: GMFCS) der ICF. Das GMFCS-System beinhaltet fünf Stufen (Level). Die Einstufung erfolgt nach der Fähigkeit zu eigenständiger Mobilität und dem Bedarf an Hilfsmittel-Unterstützung. Eltern können bei der Einstufung mitwirken, da sie ihr Kind meist gut einschätzen können. GMFCS ist einfach und schnell angewendet, erfahrene Fachkräfte benötigen nur etwa 15 Minuten.

Stufe I

Freies Gehen ohne Einschränkung; Einschränkung der höheren motorischen Fähigkeiten.

Stufe II

Freies Gehen ohne Gehhilfen; Einschränkung beim Gehen außerhalb der Wohnung und auf der Straße.

Stufe III

Gehen mit Gehhilfen; Einschränkung beim Gehen außerhalb der Wohnung und auf der Straße.

Stufe IV

Selbstständige Fortbewegung eingeschränkt; Kinder werden geschoben oder benutzen E-Rollstuhl für draußen.

Stufe V

Selbstständige Fortbewegung selbst mit elektrischen Hilfsmitteln stark eingeschränkt.


Abbildungen mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: „GMFM und GMFCS – Messung und Klassifikation motorischer Funktionen“, Dianne Russel u.a. Verlag Hans Huber, Hogrefe Verlag, CH-Bern, Abb. Prof. Kerr Graham, AUS-Melbourne.

Statuserhebung zur Bedarfsermittlung Hilfsmittel

Nutzen Sie für die Dokumentation einer Hilfsmittel versorgung den Erhebungsbogen von rehaKIND e.V.


Was ist die ICF
und warum ist sie so wichtig?

Grundlage einer Hilfsmittel-Versorgung sind nicht nur gesetzliche Vorgaben wie der Leistungsanspruch auf Hilfsmittel, Selbstbestimmung und Teilhabe im SGB XI. Bei der Begutachtung und Begründung von Hilfsmittel-Versorgungen muss die ICF berücksichtigt werden.

ICF bedeutet „International Classification of Functioning, Disability and Health“. (deutsch: „Internationale Klassifika- tion der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“) Die ICF ist eine Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die erstmals 2001 erstellt und herausgegeben wurde und als weltweit anerkannter Standard gilt. Sie be- schreibt die aktuelle Funktionsfähigkeit, Aktivität und Teilhabe eines Menschen, um daraus Teilhabeziele, Fördermaßnahmen und Prozessempfehlungen abzuleiten.

Bedeutung der ICF für die Hilfsmittel-Versorgung

Hilfsmittel sollen den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern, einer drohenden Behinderung vorbeugen oder eine Behinderung ausgleichen. Für die erfolgreiche Versorgung mit einem Hilfsmittel muss ein individuelles Versorgungskonzept für das Kind erstellt werden.

Dazu wird die Klassifizierung nach dem bio-psycho-sozialen Modell der ICF mit einbezogen. Dieses Modell beschreibt einen aktuellen Gesundheitszustand und die Wechselwirkung zwischen den Komponenten. Mit Hilfe der ICF wird beschrieben, was das Kind kann und welche Hilfe und Förderung es benötigt.

Zielsetzung: Hilfsmittel-Versorgung Gehwagen

Mit Hilfe der ICF-Klassifizierung wird z.B. eine Versorgung mit einem Gehwagen für Kinder beantragt. Die zielorientierte Begründung der Versorgung ist immer besser, als später einen Widerspruch formulieren zu müssen. Ein Beispiel:

Bedeutung der ICF für die Hilfsmittel-Versorgung

Gesundheitsproblem: ataktische Cerebralparese

Körperfunktionen und -strukturen:

  • niedrige Muskelspannung (Hypotonie) erhöhen
  • Kräftigung der Rumpf- und Beinmuskulatur
  • Verbesserung der Vital-Funktionen

Aktivität: zielgerichtet und kontrolliert 100 Meter mit einem Gehtrainer in Innenräumen bewältigen

Teilhabe: in der Schule bei Präsentationen direkt an Tafel bzw. Whiteboard selbstständig teilnehmen

Umweltfaktor: barrierefreier Raumwechsel im Kindergarten möglich, geeignetes Hilfsmittel (Gehwagen für Kinder) steht zur Verfügung

Personenbezogener Faktor: Motivation schaffen zum selbstständigen Gehen mit einem Hilfsmittel, kognitive Fähigkeit zum Lenken vorhanden

Daniel Feick – Medizinprodukte-Berater und Reha-Trainer DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund)

Das Recht auf Teilhabe

„Immer wieder ist von dem Recht auf „Teilhabe“ die Rede, also dem „Einbezogensein in eine Lebenssituation“.

Für Menschen mit Behinderungen besteht sogar ein gesetzlicher Anspruch auf Teilhabe im SGB IX und damit auch auf Hilfsmittel wie Gehtrainer. Denn diese fördern die Selbstbestimmung und das gleichberechtigte Miteinander am gesellschaftlichen Leben. Diese aktive Teilhabe ist ein wichtiger Baustein in der kindlichen Entwicklung.“

Weitere wichtige und spannende Infos zum Thema ,,Teilhabe" finden Sie auch in unserem Kinder-Reha Podcast


FAQ - Häufige Fragen

Neuer Behindertenbegriff seit 2018

Im neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) ist die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen festgelegt. Seit 01.01.2018 ist in diesem Bundesteilhabegesetz die gesetzliche Definition von „Behinderung“ geändert. Nicht mehr körperliche, seelisch oder geistige „Funktionsbeeinträchtigungen“ sind Voraussetzung für das Vorliegen einer Behinderung, sondern gesellschaftliche Kontextfaktoren (personen- und umweltbezogen), die mit Beeinträchtigungen verbunden sind.

In § 2 Absatz 1 Satz 1 SGB IX heißt es:
Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.

Warum muss das maximal zulässige Körpergewicht für Reha-Hilfsmittel berücksichtigt werden?

Bitte beachten Sie stets das maximal zulässige Körpergewicht für die Nutzung eines Gehtrainers. Bei einer Überbelastung könnten Verbindungselemente brechen und in der Folge zum Sturz Ihres Kindes führen. Angaben dazu finden Sie in der Bedienungsanleitung oder auf dem Typenschild an dem Gestell des Gehtrainers

Kann mein Kind mit dem Gehtrainer umfallen?

Gehtrainer werden auf ihre Kippstabilität geprüft und nur für den Gebrauch zugelassen, wenn sie den geforderten Kipptest bestanden haben. Dennoch sollten Sie Ihr Kind nicht unbeaufsichtigt mit einem Gehtrainer laufen lassen. Des Weiteren sollten Sie Gehtrainer nicht auf sehr unebenem oder stark abfallendem Untergrund verwenden.

Kann ich den Gehtrainer selbst auf die Bedürfnisse meines Kindes anpassen?

Die Einstellungen und Anpassungen des Gehtrainers an die Fähigkeiten und das Wachstum Ihres Kindes sind grundsätzlich durch geschulte bzw. eingewiesene Fachleute (z.B. Medizinprodukte-Berater des Sanitäts-Fachhandels oder Therapeuten) vorzunehmen.

(Wir nennen Ihnen gerne eine Spezialisten in Ihrer Nähe: 04761 8860)

Was ist der Unterschied zwischen einem Gehtrainer und einer Gehhilfe?

Gehhilfen sind Hilfsmittel, bei denen das Kind keine weite- ren Befestigungen benötigt, sondern vor allem eine sichernde Funktion zum Aufstützen brauchen. Bekanntestes Beispiel ist ein „Rollator“, den viele aus der Reha-Versorgung für Senioren kennen.

Gehtrainer sind Hilfsmittel, bei denen durch individuell anpassbare Zubehörteile und Stützfunktionen auch Kindern mit größeren motorischen Defiziten das Gehen ermöglicht wird.

Wie viele Jahre dürfen Gehtrainer genutzt werden?

Gehtrainer sind zum Wiedereinsatz geeignet, d.h. Ihre Krankenkasse darf Ihnen auch einen gebrauchten Gehtrainer zur Verfügung stellen. Diese Reha-Produkte unterliegen aber einer außergewöhnlichen Beanspruchung. Aufgrund von Marktbeobachtungen und dem Stand der Technik wird vom Hersteller eine Produktlebensdauer und eine Anzahl von Wiedereinsätzen bei sachgemäßem Gebrauch und unter Einbeziehung der Service- und Wartungsarbeiten kalkuliert und festgelegt. Zeiten der Einlagerung beim Fachhandel sind bei der Lebensdauer bereits berücksichtigt.

Belastet die Verschreibung von Gehtrainern das Budget meines Arztes?

Im Gegensatz zu Arznei- und Heilmitteln belastet die Verordnung von Hilfsmitteln NICHT das ärztliche Budget. Hilfsmittel werden von der Krankenkasse bezahlt. Darum muss die Versorgung mit einem Hilfsmittel vorher von der Krankenkasse genehmigt werden. Info zur Unterscheidung:

  1. Arzneimittel sind Stoffe, die zur Heilung oder Verhütung von Krankheiten bestimmt sind (Medikamente)
  2. Heilmittel sind alle persönlichen medizinischen Dienst- leistungen, z.B. Krankengymnastik
  3. Hilfsmittel sind alle sächlichen medizinischen Mittel, die der Krankenbehandlung dienen
Was ist das Hilfsmittelverzeichnis?

 

Das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland enthält eine Auflistung derjenigen Hilfsmittel, deren Kosten nach der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden müssen.

Neue Produkte werden aufgenommen, nachdem der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkas- sen e.V. (MDS) die Voraussetzungen geprüft hat.

Doch auch Hilfsmittel, die nicht im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind, können von der gesetzlichen Krankenversi- cherung übernommen werden. Das gilt, wenn ein Hilfsmittel dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entspricht, sowie notwendig, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist.

Das Hilfsmittelverzeichnis ist damit keine exklusive „Positivliste“, sondern fasst relevante Informationen zu Hilfsmitteln listenmäßig zusammen und gibt einen für Vergleichszwecke geeigneten Überblick.

Wo finde ich Gehtrainer für Kinder im Hilfsmittelverzeichnis und wie sind sie beschrieben?

Die Produktgruppe „Gehwagen für Kinder“ ist im Bereich

10.46.02.3xxx des Hilfsmittelverzeichnisses eingeordnet.

Beschreibung:

Gehwagen für Kinder bestehen meist aus einem Rohrrahmen mit vier Rollen bzw. Rädern. Sie können mit Sitzen, Rücken- und Beckenpelotten und verschiedenen Haltesystemen aus- gestattet sein, die den Kindern so viel Bewegungsfreiheit las- sen, sich im Wohnbereich selbstständig oder mithilfe einer Begleitperson bewegen zu können.

Einige Produkte können noch mit verschiedenen optionalen Zubehörteilen wie z. B. Spreizsitzen bzw. Beinteilern, hö- henverstellbaren Achselstützen und höhenverstellbaren Un- terarmstützen ausgerüstet werden.

Indikation:

  • Beeinträchtigung der Mobilität bei Schädigungen der Be- wegung / der Koordination / des Gleichgewichts bei Kin- dern (z.B. bei Schädigungen des ZNS)
  • Zur Erhaltung / Förderung / Sicherung des Gehens und Stehens / der Bewegungsentwicklung / Stabilisierung der Haltung (Lauf- bzw. Lauflerntraining), auch mit teilweiser oder vollständiger Gewichtsentlastung

(Versorgungsbereich gemäß den Empfehlungen § 126 SGB V: 10B)

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